Donnerstag, 3. Dezember 2020

Woran liegt es, dass manchen Hartz-IV-Empfängern die Lust am Arbeiten vergangen ist?

 Das kann sehr viele Gründe haben ... hier viele Meinungen, Motive, Erfahrungswerte

Meine persönliche Meinung zu dem Thema ist, anders als früher hat Hartz IV durch den Sanktionsdruck, dadurch den Aufschwung von Leiharbeit, Zeitverträgen und sonstigen prekären Arbeitsbedingungen dazu geführt, dass man wirklich besser klarkommen kann, wenn man nicht arbeitet anstatt zu arbeiten. Es kommt halt auf den Job an.
 
Ich würde die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens und dann eine Versteuerung ausschließlich über Mehrwertsteuer für die beste Idee halten, die es gibt, um Menschen wieder zu motivieren zu arbeiten.
 
Ich erkläre auch wieso.
 
Bei der Versteuerung über Mehrwertsteuer bekommt der Staat seine Steuern über die Ausgaben seiner Bürger oder auch denen, die unser Land besuchen.
 
Ob man sein Geld da nun schwarz oder legal verdient hat, ist in dem Moment egal. Man hat es verdient und kann es ausgeben, wenn man möchte. Und die meisten Menschen, die nicht gerade wie die stinkreichen 10 % heute dermaßen im Geld schwimmen, dass sie nicht mehr wissen wohin damit, würden sicher viel davon auch ausgeben und einen Teil eben zur Sicherheit für schlechte Zeiten zurücklegen.
 
Es lohnt sich in dem Moment, zum Grundeinkommen etwas dazu zu verdienen, ich denke also, dass die meisten Menschen diese Möglichkeit deshalb auch nutzen würden.
 
Bei Hartz IV ist das leider oft nicht so.
 
Mit Pech setzt man zu, weil die Werbungskosten, um arbeiten zu gehen, höher sind als das bisschen Geld, was man überm Hartz IV  hat.
 
Wer gut Schwarzarbeit machen kann und die Chance, dass das kaum auffliegt, liegt auch viel besser mit Hartz IV plus Schwarzarbeit, wenn er damit kein schlechtes Gewissen hat.
 
Und umso länger Menschen miterleben, wie ungerecht Hartz IV ist, wie ungerecht dieser Staat mit seinen Bürgern inzwischen umgeht, umso weniger Menschen sind noch darunter, die sich wirklich mit dem Staat identifizieren .. die haben kein schlechtes Gewissen, wenn sie Schwarzarbeit machen statt einen Job zum Mindestlohn. Leiharbeit und derlei Dinge, denn wer lässt sich schon gerne ausnutzen?
 
Es mag ja auch Menschen geben, die auch bei einem BGE nicht arbeiten würden, aber ich denke nicht, dass das viele sein werden.
 
Aber Hartz IV fördert in meinen Augen die Unlust, jeden Drecksjop annehmen zu müssen, schlecht behandelt zu werden für kein Geld und so weiter und so fort .. und das ist schon sehr lange auf dem heutigen Arbeitsmarkt an der Tagesordnung.
 
Das war früher nicht so und ist nur durch Hartz IV erst entstanden.
 
Selbst mehr Freibeträge würden in meinen Augen schon viel bringen, aber auch dazu kann sich die Regierung ja nicht aufraffen. 

Und nun auszugsweise mal einige Meinungen ... das ist ein langes Ende .. Rest bitte bei Interesse selbst lesen.
 
Quelle:

https://de.quora.com/Wieso-haben-manche-Hartz-IV-Empf%C3%A4nger-keine-Lust-zu-arbeiten

 ...

Sicherlich mag es einen gewissen Anteil an Hartz IV-Empfängern geben, die tatsächlich keine Lust auf Arbeit haben. Sogar die JC selbst geben deren Zahl mit 5–8% an. Aber wenn man sich mal die Zahl der freien Jobs (laut Jobbörse) und die Zahl der Erwerbslosen laut offizieller (geschönter) Arbeitslosenstatistik anschaut, fällt einem schnell das Verhältnis von 1:3 aus offener Stellenzahl zur Erwerblosenzahl auf. Sprich: auf jeden freien Job kommen 3 Erwerbslose. Wer sagt denn bitte, dass wir die freien Jobs zwingend mit denen besetzen müssen, die offensichtlich keine Lust zum arbeiten haben ? Davon hat nämlich keiner was: nicht der Arbeitgeber, nicht der betroffene Arbeitslose selbst (denn der wird eh bald wieder beim Jobcenter auf der Matte stehen). Und schon gar nicht derjenige Arbeitslose, der den Job vielleicht mit Kusshand genommen hätte, aber ihn gar nicht erst vermittelt bekommt, weil das Amt lieber erstmal die Faulenzer unter den Kunden vermitteln will. Von diesen Fehlvermittlungen profitiert allenfalls die Statistik, die nicht zwischen "dauerhaft vermittelt" und "vermittelt, ist aber nach 2 Wochen wieder da" unterscheidet. Sprich: indem erstmal absichtlich der "Falsche" und dann erst der "Richtige" vermittelt wird, kann sich das JC gleich 2 "Vermittlungen" auf die Fahnen schreiben. Das ist in gewisser Weise auch eine Form der Statistikfälschung.

Wie einer meiner Vorredner schon schrieb, wurde Hartz IV hauptsächlich dazu geschaffen, Leute zu zwingen, jeden noch so mies bezahlten Job anzunehmen, indem man sie nur lange genug schikaniert. Dazu gehörten auch gezielte Hetzkampagnen gegen die achso faulen Hartz IV-Empfänger, um sie von der Gesellschaft ächten zu lassen. Auf die Art war geplant, die Hartz IV-Bezieher zur Annahme jedes Drecksjobs zu bewegen und die bisherigen Arbeitnehmer erpressbar zu machen…denn die wollten ja keinesfalls in dieses Rollenbild fallen.

Sicherlich mag es einen gewissen Anteil an H4-Empfängern geben, der nicht arbeiten WILL. Aber erstaunlich viele haben ein weit besser aufgeklärtes Bild vom Arbeitsleben als so mancher Arbeitnehmer. Denn sie haben gemerkt, dass man vom "Stolz, arbeiten gehen zu können" nichts Essbares auf den Tisch bringen kann.
Sein wir doch mal ehrlich: Wenn jemand, der nur den Mindestlohn bekommt, vom Nettolohn noch 350€ Fahrtkosten zahlen soll, hat er auch nicht mehr als ein Hartz IV-Bezieher übrig. Wer ist denn dann derjenige, der sich wirtschaftlicher verhält: derjenige, der den Job trotzdem macht oder derjenige, der sich weigert ? Es ist nunmal ein Grundprinzip, dass aus Einsatz eine Leistung resultieren muss (=wer arbeitet,soll mehr haben als jemand,der nicht arbeitet). Genau DAS wird aber oft ad absurdum geführt, indem erwartet wird, dass man faktisch zum gleichen Geld arbeiten geht, das man auch fürs daheimbleiben kriegt. Es ist jedenfalls keine Lösung, den H4-Beziehern die Kohle zu kürzen,weil der Arbeiter zum Mindestlohn davon auch nicht mehr Kohle zur Verfügung hat.

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Nun ja, darauf eine Antwort, ich riskiere den Shitstorm des Universums mit Drohungen.

Also SGB 2, ALG 2, das sind die korrekten Suchbegriffe für Hartz 4 sind Sozialleistungen für Personen unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland

Entgegen landläufiger Meinung beschränken sich die Leistungen nicht nur auf das Geld sondern zudem Mietzuschüsse, Zuschüsse zu Energiekosten, und anderes, dazu kommen noch spezielle Kinderbezogene Leistungen, die, es sei geklagt, in der Antragstellung z. T kompliziert sind.

Wir auch immer, kreuzigt mich nicht wegen Unvollständigkeit der Aufzählung oder einem Sachfehler, ich habe nie diese Leistung bezogen und arbeitete stets voll für meinen Lebensunterhalt.

Jedenfalls, die Summe der verschiedenen Sozialleistungen die bei Hartz 4 zusammen kommen, ermöglichen es Betroffenen sich darin einzurichten und , auch das ist immer wieder Streitthema, Erwerbstätige sind mit den Besteuerungsgrenzen im unteren Einkommenssegment so belastet, dass es sich im verfügbaren Geldbetrag zum Teil "nicht lohnt" zu arbeiten. Sorry für diese drastische Formulierung.

Leider finden sich in der Gruppe der Leistungsempfänger auch mehr niedrig qualifizierte bildungsferne Menschen und, da schließt sich der circulus vitiosus, weil die Kinder nicht bildungsmotiviert werden, werden sie sich selber einrichten in der Leistung" …was willst du mal für einen Beruf lernen? "…"Hartz 4!" so geht es so weiter.

Die aktuellen Bildungserhebungen mit Bezug zum sozialen Bildungshintergrund der Schülerfamilien sprechen leider diesbezüglich eine klare Sprache.

Aber, ich glaube nicht, dass man "keine Lust" pauschal so sagen darf, einzelne Personen, ja klar, aber nicht so verallgemeinert. Und wenn mehr verfügbares Geld für Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin ausgegeben wird als für die Ausbildung der Kinder, sehe ich leider nicht selten, was soll ich dazu noch sagen?

lch glaube, dass sehr viel über vorgelebtes Vorbild in der Familie, der sozialen Gruppe zu tun hat und die Vermittlung des Lerninhaltes ist wahrscheinlich auch nicht immer so optimal motivierend für beide Seiten.

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Sie haben entweder wenig Hoffnung, dass dadurch etwas besser wird, oder einfach keinen intrinsischen Drang, zu arbeiten. Letzteres ist nicht so ungewöhnlich, denn die meisten freuen sich über Freizeit und wenn Arbeit etwas wäre, dass man wirklich haben möchte, dann würde sie Geld kosten, denn sie ist offensichtlich knapp. Knappe Güter und Dienstleistungen, die begehrt sind, werden teuer. Aber niemand zahlt dafür drauf, arbeiten zu dürfen. Offensichtlich ist die Sache anders gelagert und Arbeit ist nichts was man unbedingt machen will. Was man haben will ist der Lohn, nicht die Arbeit.

Wenn man nicht direkt einen Arbeitsfetisch hat oder konditioniert wurde, sich in Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben, dann schaut man einfach, wie man zu Geld kommt und überlegt sich auch, wie viel Geld man braucht und in welcher Relation das zum Aufwand steht.

Wenn man den Eindruck hat, dass Arbeit sich nicht lohnt, weil man keine Fertigkeiten mitbringt, die gerade lukrative oder erfüllende Arbeit ermöglichen, dann muss man ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man trotzdem arbeitet. Wenn ich zu dir gehe und dir sage, du sollst für mich was tun und für dich springt praktisch nichts dabei heraus, dann wirst du vermutlich sagen, ich kann mir das an den Hut stecken.

Beim Hartz4-Niveau spricht man deswegen auch vom impliziten Mindestlohn. Das bedeutet, von dessen Höhe hängt ab, was für Löhne die normal gepolten Menschen bereit sind, anzunehmen. Ist der Lohn so niedrig, dass man besser von der Grundsicherung leben kann, dann muss der Chef die Arbeit wohl selber machen wenn er den Lohn nicht erhöhen will. Real bedeutet das, der Arbeitgeber muss sich überlegen wie er einen Arbeitsplatz schafft, der auch genug Wert schöpft um sich zu finanzieren. Arbeit abdelegieren ohne gut zu zahlen kann ja jeder.

Wer dann trotzdem arbeitet, fällt aus den ökonomischen Modellen, die rationale Marktakteure annehmen heraus.

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Ich hatte mal im Haus nebenan ein junges Paar, 25–34 Jahre alt, die lebten schon fast ihr ganzes berufliches Leben „auf Stütze“. Die hatten immer Zeit, machten ständig Parties mit immer so 20 Leuten in ähnlichem Alter. Sie fuhren auch regelmässig in Urlaub.

Hatten immer Handy, grossen Fernseher, Computerspiele…

Wie haben die das gemacht?

Ganz einfach - das Amt zahlte die Wohnung, alle Möbel, Reparaturen usw…Kleidung kam günstig von Spenden oder Flohmarkt. Und natürlich die Krankenkasse usw

Jeden Monat gingen beide so ein bißchen schwarz arbeiten. Er hatte seine Malerlehre zwar abgebrochen aber für jeden Monat irgendwie was schwarz machen hat es gereicht.

Sie ging Hunde betreuen, putzen und half bei älteren Leuten schwarz im Haushalt aus.

Im Durchschnitt arbeitete jeder etwa 7–10 Tage im Monat aber auch nicht unbedingt immer ganztags.

Auch verkauften Sie regelmässig alles mögliche bei ebay, gerade hier bei uns wird ja viel auf der Strasse verschenkt, Bücher, Geschirr…das kann man durchaus auch weiter verkaufen wenn es in Ordnung ist.

Zwischen Hartz4 und Schwarzarbeit kamen sie wohl auf cash um die 2000 euro im Monat.Und die Wohnung war ja bezahlt.

Kein Wunder das die beiden absolut nichts an ihrer Situation ändern wollten, die Kombi „Stütze“ und Schwarzarbeit ist finanziell unschlagbar.

Schlechtes Gewissen: gar keins…

Die ehrlichen Leute, die wirklich nur von Hartz 4 leben und vielleicht auch noch alt und krank sind, das ist schwierig. Aber es gibt leider eine sehr grosse Gruppe die findet die Kombi von Stütze und schwarz großartig. Teilweise wird das schon in der Familie seit Generationen vorgelebt.

Das würde sich nur ändern, wenn der Grundfreibetrag drastisch steigen würde, vielleicht so auf 1500 euro. Ich denke dann würden viele schwarzis doch überlegen sich ordentlich anzumelden.

Menschlich waren die zwei total nett, hatten immer Zeit für einen Plausch oder einen Kaffee.

Aber das gute Leben mit viel persönlicher Freizeit aufgeben? Wozu…lief doch alles.

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st das denn so? Oder ist "keine Lust" eine Schutzbehauptung? Wenn ich keine Lust zum Arbeiten habe, muss ich mir von allen möglichen Fremden vorwerfen lassen, dass ich faul und asozial bin, ein Schmarotzer… Aber es ist MEINE Entscheidung. Dann krieg ich halt nur Absagen auf jede Bewerbung - klar, weil ich nicht will, nicht weil ich nicht gut genug bin…

Bestimmt gibt es auch Leute, die tatsächlich bewusst auf Arbeit verzichten, und eben lieber ohne Geld am Strand liegen statt mit Geld im Büro schwitzen. Hab ich ehrlich gesagt nicht mal ein Problem mit. Es gibt ohnehin weniger Arbeit als Menschen. Wenn sie die Faulpelze in Ruhe lassen würden, gäbe es mehr Ressourcen dafür, denen zu helfen, die eben nicht in diese Kategorie fallen. Und weniger Konkurrenz am unteren Rand der arbeitenden Gesellschaft, das würde auch vielen Menschen das Leben erleichtern.

Wenn es dann noch möglich wäre, mit einem Mindestlohn-Job eine kleine Familie wenigstens grundsätzlich zu versorgen, ohne sich dem Jobcenter-Terror zu unterwerfen, wäre das noch besser. So wie es jetzt ist, liegt der gesamte Druck auf gerade den Schwächsten, und Gier und Geiz von Arbeitgebern wird belohnt, indem miese Löhne und grenzwertige Arbeitsbedingungen per Aufstockung subventioniert werden.

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Vielleicht kommt es einfach nur darauf an…

Ich glaube jeder Mensch will irgendwie etwas sinnvolles in seinem Leben tun. Doch manchmal ist etwas schwer etwas sinnvolles zu finden.

Ein gutes Beispiel sind Künstler. Die meisten Künstler tun nichts wirklich produktives. Sie schaffen nur irgendwelches Zeg das andere Menschen anschauen können. Doch diese Menschen erfreut der Anblick und so sind sie bereit Geld dafür zu bezahlen. Gleiches gilt übrigens auch für Sportler, Journalisten, IT-Menschen, etc.

Zufällig mag ich das womit ich mein Geld verdiene. Und ich finde jeder sollte das tun können was ihm Spaß macht. Für den Rest haben wir Maschinen…. Ok, ich verdiene aktuell mein Geld mit IT. Mit etwas das es so vor 100 Jahren nicht gab. Was hätte ich vor 100 Jahren getan? Vlt. wäre ich Schreiner oder Schmied oder Gärtner oder Bäcker geworden. Soetwas mache ich auch gerne jetzt. Aber jeden Tag? Jeden Tag aufs neuer? Man wäre das anstrengend….

Also, vlt. haben die Leute einfach noch nicht ihre Berufung gefunden… (Einfach mal darüber nachdenken!)

PS.: Ich bekomme neuerdings Kurzarbeitgeld: D.h. ich bekomme zwar 20% weniger Gehalt, muss dafür nur noch 50% arbeiten. D.h. ich habe nun viel mehr Freizeit. Und so schlecht ist das irgendwie gar nicht… Endlich habe ich mal Zeit an meinem LEGO-Roboter weiter zu arbeiten… oder mich um meinen Balkon zu kümmern… oder meine Wohnung aufzuräumen … oder mir endlich mal Vorhänge zu kaufen… auch so viel zutun… ich glaub ich brauch echt mal Urlaub!

PS2.: Dann gibt es die Sache, dass Menschen aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht für einen Lohn weit unter einer bestimmten Grenze arbeiten sollten.
Der Kapitalismus funktioniert nur, wenn Menschen auch nur für das Kapital arbeiten! Und nicht, weil sie nützlich sein wollen! Hier wäre gemeinnützige Arbeit sinnvoller als für paar Euro “echter Arbeit” nachzugehen… Kapitalismus benötigt Angebot und Nachfrage. Wenn Leute jedoch der Nachfrage einfach so nachgehen ohne das Angebot zu beachten, heben sie das System aus.

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Ich denke, da kann man selbst darauf kommen.
Für jeweils DREI Verfügbare Erwerbslose haben wir genau EINE Offene Stelle.
Diese Stellen bringen einen oft nicht wirklich aus Hartz IV heraus - weil sie zu schlecht bezahlt werden, man muß beim jobcenter aufstocken.
Diese Stellen sind oft schwere Arbeit, ungesunde Arbeit, monotone Arbeit. Allgegenwärtig der Chef- wenn Du nicht spurst: melde ich Dich dem jobcenter! Dann bekommst Du eine Sanktion! Was ich als EX-Fallmanager auch weiß: Arbeitskleidung wird nicht gestellt, Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten, Überstunden erpresst, es herrscht ein unguter, frechter Tonfall.
Oft sind es Teilzeitstellen, befristete Verträge, Leiharbeit, etc.
Mit der Arbeit hat man zumeist nicht viel mehr Geld, als mit Hartz IV. Oft arbeiten Menschen Vollzeit in solchen Jobs und haben grad mal 150,- mehr im Monat: der Rest wird angerechnet und abgezogen.
Diverse andere Nachteile kommen hinzu.
Schon klar: SIE hätten da natürlich trotzdem so richtig Lust solche Arbeiten gern zu machen! Aber: ein Durchschnittsmensch? Wirklich?
MfG
BTB

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Aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit ALG II EmpfängerInnen kann ich Ihnen sagen, dass die Meisten arbeiten wollen. Fälle, in denen Leute systematisch das Prinzip Erwerbsarbeit umgehen wollen, gibt es, habe ich aber sehr selten gesehen. Viele können nicht, weil sie psychisch oder physisch fertig sind. Manche nehmen angebotene Stellen nicht an, weil sie in ihren Augen unzumutbar erscheinen. Oder sie haben Ärger mit den Jobcenter. Oder sie haben resigniert. Für den allergrößten Teil ist aber dennoch die Vorstellung, selbstverantwortlich eigenes Geld zu verdienen erstrebenswert. Hartz IV ist kein so lustiges Ruhekissen, wir sich das einige ausmalen.

Es ist ein zu leichter Gedankengang an der Stelle mit Schuldzuweisungen eine Faulheitsdebatte anzufachen. Welche wäre es am der Zahl? Bei Interesse können Sie den Artikel bei der bpb* darüber lesen. Ist immer vor Wahlen beliebt, über den faulen Hartzer zu wettern. Gut fürs politische Profil.

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ch bekomme Hartz IV und ganz ehrlich ich arbeite lieber ehrenamtlich im Hospiz als in meinem erlernten Beruf, Medizinische Fachangestellte. Die fachlichen Ansprüche der Ärzte an ihre Mitarbeiter, sowie QM Anforderungen der KV werden immer höher. Im Gegensatz zur Entlohnung! Meist werden nur 450€-Kräfte eingestellt, mit dem Mindestlohn als Stundenlohn. In der Freizeit werden Fortbildungen erwartet, deren Kosten am besten selbst getragen werden. Tariflohn? Fehlanzeige! Wertschätzung gleich NULL. Aber möglichst viele hochpreisige IGEL-LEISTUNGEN sollen verkauft werden. Für mich immer weniger, der sozial-pflegerische Beruf, den ich gelernt habe! Leider immer öfter ausgenutzt um den Arzt zu bereichern.

Dann beziehe ich lieber Hartz IV, arbeite 3 x pro Woche ehrenamtlich im Hospiz. Dort werde ich wirklich gebraucht, die Wertschätzung UNBEZAHLBAR!

Wenn man nun bedenkt, das es laut Experten Prognosen, in 10 - 15 Jahren wahrscheinlich nur noch die Hälfte der Arbeitsplätze geben wird. Wird dann auch gefragt, ob die Hartz IV Bezieher nicht arbeiten wollen? Oder sollen die Massen der Arbeitslosen eventuell mit Callcentern aufgefangen werden? Um die Illusion des arbeitenden, wertigen Menschen aufrecht zu erhalten?

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