Donnerstag, 5. November 2015

Kein Geld für Arme für Familie, Freunde oder soziale Verpflichtungen

Was weder der Regelsatz noch Sonderbedarfe für Arme beinhalten


Ich habe ja im letzten Beitrag hier erzählt, was für Probleme einem Menschen entstehen können, wenn er einen Angehörigen beerdigen muss, wenn dieser keine Sterbeversicherung hatte und der Familienangehörige selbst auch von Sozialhilfe oder ALG II leben muss.

Ich bin dabei auf die Idee gekommen, einmal aufzuzeigen, wie familienfeindlich, freundschaftszerstörend und überhaupt hinderlich für jedwede soziale Verpflichtungen dieser Staat geworden ist, seit es Hartz IV gibt.

Natürlich soll man mobil und flexibel sein und jeden noch so bescheuerten und schlecht bezahlten Arbeitsplatz annehmen, selbst wenn man dazu kilometerweit von seinen Angehörigen und Freunden weg ziehen muss, und zwar sogar dann, wenn es sich wie heute fast immer nur um einen befristeten Job handelt, der nichts mit dem einmal erlernten Beruf zu tun hat.

Wenn man aber einem Fallmanger erzählt, man kennt niemand, der einem beim Umzug helfen kann, falls man mal wieder die Aufforderung bekommt umzuziehen, dann wird man von diesen Menschen gefragt, warum man denn weder Familie noch Freunde hat, die helfen können.

Tja .... wer laufend wie ein Hund durch unser Land getrieben wird, hat irgendwann keine Familie und keine Freunde mehr, und wer zu wenig verdient, hat auch kaum Gelegenheit dazu, viel Kontakt zu anderen Menschen zu halten oder neu aufzubauen, wer gar nichts verdient und von Sozialhilfe pur oder ALG II pur leben muss, sowieso nicht.

Generell enthält der Regelsatz keinen Cent für Dinge wie:

Die Fahrkosten, um Verwandte wie die eigenen Eltern zu begraben. Die dazu gehörende Trauerfeier außerhalb der Friedhofskapelle mit der Familie des Verstorbenen, also der eigenen Familie, auch keine Grabpflege übrigens. Selbst die reinen Bestattungskosten werden auch dann, wenn man das Billigste vom Billigen nimmt, nicht vollständig übernommen. Das Geld für einen Grabstein reicht normalerweise nicht aus, dass man auch einen dafür kaufen könnte, auch wenn welches in der Summe aufgeführt ist, die man theoretisch ausgeben könnte. Ich habe das ausprobiert. Auch Trauerkleidung wird nicht bezahlt.

Fahrkosten für Familienfeiern jedweder Art wie Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen, Kommunionen, silberne oder goldene Hochzeiten sowie die passende Kleidung für so einen Anlass werden nicht übernommen.

Der Regelsatz enthält auch keinen Cent für einen Weihnachtsbaum, die Einladung der Familie zu so einem Fest, Geschenke für Familienangehörige.

Der Regelsatz enthält auch keinen Cent dafür, sich mit einem geliebten Menschen zu treffen, in den man sich verliebt hat und der nicht in unmittelbarer Nähe wohnt. Zieht man deshalb allerdings zusammen, gilt man vom ersten Tag an als Bedarfsgemeinschaft, denn dann weiß das Jobcenter, was Familie ist. Das gilt auch für jedes andere Familienmitglied oder gute Freunde, mit denen man sich eine Wohnung teilen möchte.

Der Regelsatz enthält auch kein Geld, um freundschaftliche Kontakte zu pflegen, weder Fahrkosten, um etwas weitere Wege zurücklegen zu können noch viel Geld, um jemand zu verwöhnen, der zu Besuch kommt.

Geld zum Ausgehen und so unter Menschen zu bleiben, ist im Regelsatz sowieso nicht vorgesehen.
...

Praktisch heißt das folgendes:

Wenn einem die eigenen Eltern sterben, man wohnt in Flensburg und die in München, kann es darauf hinaus laufen, seine eigenen Eltern aus finanziellen Gründen nicht begraben zu können geschweige denn sich darum zu kümmern, dass so ein Grab dann auch gepflegt aussieht, denn eine Überführung eines Toten wird einem Empfänger von Sozialleistungen ja auch nicht bezahlt.

Wenn jemand weiter weg heiratet oder etwas anderes feiert, das wichtig ist, man kann nicht hin fahren.

Man muss Angst haben, dass viele Familienangehörige zu Weihnachten vorbei kommen, weil man die gar nicht bewirten könnte, kann sich aber auch kaum leisten, sie zu besuchen, schon wegen der Fahrkosten und Geschenke .. oha ??? Das wird ein großes Problem.

Da der Regelsatz auch bestimmt, wer bei wenig Verdienst fast genauso wenig hat, trifft das nicht nur die Empfänger von Sozialhilfe oder Hartz IV, sondern viele Millionen anderer Menschen, die so eben und eben darunter liegen.

Übrigens .. umso größer die Familie, umso wahrscheinlicher ist es, in Hartz IV zu fallen .. dann gilt die Familie als Maßstab, denn das spart ja, es ist ja eine Bedarfsgemeinschaft.

Mit Familienfreundlichkeit hat das aber nichts zu tun.

Hartz IV ist nur eins .. Sklaverei pur .. in seiner krassesten Form.

Für Menschlichkeit ist da kein Platz.

Und das gilt für Einheimische und die neu hinzu kommenden Flüchtlinge ganz genauso, wenn sie erstmal in diesem grausamen Staat integriert sind, der sie mit frommen Sprüchen ins Land lockt und sie kommen ohne zu ahnen, was da auf sie zukommen wird und oft in der Hoffnung, ihre Familien dann nacholen zu können.

Und wer alt ist, darf schnell sterben ... unsere Art, mit Pflegefällen umzugehen, sagt das ganz klar aus. Es ist gar nicht möglich, dass ein Mensch so eine Behandlung lange überlebt.

Unsere Art, mit eher armen Rentnern umzugehen, sagt im Übrigen nichts anderes aus.

Tja ... LG Renate

Kommentare:

  1. Ich lese sehr viel Verbitterung aus Deinen Zeilen, aber im Grunde hast Du recht. Es ist traurig. Den Betroffenen wird nur allzu gern die Schuld für ihre Misere in die Schuhe geschoben, doch einmal in der Mühe drin, kommen sie kaum mehr heraus.
    Wobei Geringverdiener (Aufstocker) aufgrund ihrer Arbeit nicht mal die Zeit haben, gegen die Schikanen der Ämter vorzugehen. Sie haben unter der gesellschaftlichen und von der Politik geförderten Ächtung am meisten zu leiden, darunter viele alleinerziehende Mütter. :/

    Liebe Grüße, Claudia

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  2. Hallo Claudia, ich bin darauf gekommen, weil wir ja alle nun seit Monaten mit dem Flüchtlingsthema und ach wie schaffen das, Deutschland ist ja so reich und bla bla bla geradezu überfüttert werden. Vielleicht wäre das auch möglich, wenn denn Deutschlands Milliardären mal was abgezwackt würde, diese Menschen mit zu integrieren, ohne dass deswegen für Menschen wie Dich oder mich und andere, die froh sind, sich paar Freibeträge zu ergattern, damit es etwas leichter wird, was passieren würde ... wenn sie denn mal die Bruttokaltmiete anpassen würden und endlich kapieren, dass die Werbungskosten zu niedrig sind, die man absetzen kann und die Freibeträge reichlicher sein könnten, wenn man arbeitet (Mindestlohn finde ich relativ irrelevant dabei, denn der hilft sowieso nur Einzelpersonen, nicht Familien oder auch nur Paaren) und den Regelsatz so vervollständigen, dass wirklich alles, was man braucht, darin enthalten wäre.

    Nebst dem Dauerthema Flüchtlinge starb nun vor einer Weile meiner besten Freundin eine andere beste Freundin. Viel zu früh, mit nur 54 an einer Lungenembolie.

    Der ging es im Prinzip ähnlich wie Jürgen und mir. Von mehreren Kindern war nur noch zu zwei Kontakt da, bei einem aber so gut, dass der Junge mit ihr zusammen wohnte .. hier um die Ecke.

    Sie hatte es tierisch mit der Hüfte, konnte kaum noch laufen, war auf tägliche Hilfe angewiesen, ob Pflegestufe, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht genau, ob nun sie vielleicht Sozi und er Hartz IV bekommen hat oder beide Hartz IV. Ich weiß auch nicht, ob er wie Du oder ich noch was jobben konnte oder ob seine Mutter schon so viel Arbeit gemacht hat, dass es wie früher bei mir und meiner Mutter nun gar nicht mehr ging .. oder ob er falls er was jobben konnte, auch was gefunden hatte.

    Es war ja nur die Freundin einer Freundin, die ich persönlich nie getroffen habe, sondern alles nur vom Hörensagen weiß.

    Als die Frau starb, war nun meine Freundin voll fertig. Die hat selbst sehr jung ihre Mutter verloren, kannte diese Frau schon länger als 25 Jahre und sagte, sie war so eine Art Ersatzmutter für sie geworden .. sie wohnte auch im gleichen Wohnblock, also unmittelbar bei ihr um die Ecke .. ich ja nicht, wohne nur im gleichen Wohnviertel.

    Na ja ... sie wäre froh, wenn wir bei der Beerdigung mitkommen, ihr bissel die Hand halten, hat sie gesagt. Da dann nichts kam wegen wann ihre Freundin denn nun begraben wird, hat Jürgen nachgefragt, was denn los ist und wir erfuhren, der Termin für die Beerdigung steht noch immer nicht fest (die Frau ist schon fast 14 Tage tot, ihr Mann liegt zwei Gräber neben meiner Mutter, da soll sie rein, mit Urne, aber eigentlich hat man ja normal nach ca. einer Woche trotzdem in der Kapelle eine Trauerfeier für die Angehörigen).

    Das liegt daran, weil es ihrem Sohn nun genauso oder noch schlimmer geht wie mir damals, als ich meine Mutter begraben musste und kein Geld dafür da war.

    Statt dass der Sohn mit dem Tod der Mutter erstmal fertig werden kann, muss der sich nun fürs Sozialamt mit seinen Geschwistern rumschlagen, wie die Beerdigung bezahlt wird, mit denen seine Mutter zum Teil ja jahrelang oder jahrzehntelang gar keinen Kontakt mehr hatte, er vermutlich auch nicht.

    Das war bei meiner Mutter damals auch so .. ich musste mit einem Berg Zettelei zu allen meinen Kindern und auch deren Partnern, sogar den unverheirateten, um deren Vermögensverhältnisse fürs Sozialamt feststellen zu lassen .. und zwar obwohl das rein rechtlich gar nicht zulässig ist und es zig Grundsatzurteile vom Sozialgericht gibt, dass Kinder alleine zuständig für die Beerdigung sind.


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  3. Der Partner meiner Kleinen (nicht mit ihr verheiratet) drohte mir gleich mit ner einstweiligen Verfügung, als ich mit dem Zettel ankam, obwohl ich dem sagte, er muss das nicht bezahlen, ich habe schon Klage eingereicht, wie der Bestatter mir das erklärt hat, es sei nur ne Formsache, es passiert nichts.

    Dann gab er dem Sozialamt noch an, ich hätte von meiner Mutter Prima und Chiwa geerbt und das seien teure Pferde, die viel Geld wert seien. Die haben erstens nie meiner Mutter gehört, die kennt das Jobcenter auch, die gehören zu meinen kleinen nicht verwertungsverpflichtenden Vermögenswerten, weil sie so viel, dass ich sie verwerten müsste, gar nicht wert sind, außerdem schützt sie das Tierschutzgesetz davor, womöglich beim Schlachter zu landen.

    Mein anderer Schwiegersohn hat den Zettel gar nicht erst ausgefüllt, meine Große auch nicht, genauso wenig mein Lütter oder mein Großer und seine Frau ... aber ich hatte Stress ohne Ende und in der Kirche so einen Krach, dass die gesamte Bande in der Kapelle maulend auf der anderen Seite saß, auch am Grab woanders stand und wir bis heute Streit haben deswegen.

    Der Junge, der echt zusammenbrach, als seine Mutter starb .. also der Sohn der Freundin meiner Freundin jetzt, der hat jetzt noch mehr Stress, denn Kinder sind ja alle zuständig für die Beerdigung anders als es bei mir als Einzelkind war.

    Aber ehrlich Claudia ... wenn denn einer was bezahlen muss außer demjenigen, der es nicht kann, aber jemand begraben möchte und ja auch muss, weil diese Person zuständig ist .... wäre es nicht human, wenn das Sozi solche Kosten erstmal auslegen müsste und sich dann die Kohle selbst von den Verwandten, die man eventuell rein rechtlich zur Kasse bitten kann, doch bitteschön selbst einklagt ?????

    Warum belastet man damit auch noch die Menschen, die sich um einen Pflegefall bis zum Tod gekümmert haben und ja alleine dadurch fast immer dann arm und ohne Job sind, also ohne Sterbekasse diese Kosten gar nicht selbst aufbringen können, sich aber eine Endlosklagerei auch nicht leisten können und vermutlich, da gerade jemand gestorben ist, den sie geliebt haben, auch mit den Nerven am Ende .. falls sie es durch die jahrelange Pflege nicht sowieso schon sind, was bei Pflege ja meistens der Fall ist, weil das an die Substanz geht???

    Und dann reden sie in der Glotze immer vom freundlichen Gesicht in Deutschland.

    Als Jürgens Mutter vor drei Jahren starb .. in Bad Nenndorf, Beerdigung war durch eine Versicherung sogar bezahlt ... war schon das Runterfahren für uns ein echtes Problem .. als mein Sohn geheiratet hat, auch das Dabeisein, obwohl der in der Nähe von Neumünster wohnt und es von der Entfernung her ja noch ging.

    Im Sommer war Jürgens Schwester aus Frankreich bei seiner anderen Schwester in Berlin .. wir konnten nicht auch hin fahren, ging finanziell nicht ... mit denen reden wir nur über Facebook.

    Das verbittert mich auch ... gerade weil ich laufend höre, ach Deutschland hat ja so viel Geld .. und warum halten sie uns dann alle so kurz ?????

    Die Flüchtlinge werden sie genauso kurz halten .. was meinst Du, wie es denen geht, wenn ihnen womöglich in Afrika einer stirbt, wo sie sich drum kümmern müssten oder so.

    Ich gehe davon aus, es wäre genug Geld da, für alle ne Wohnung zu finden, die Regelsätze auf ein anständiges Maß anzupassen, der Arbeitsmarkt würde sich dann von alleine zurecht laufen übrigens .. und auch für Sonderausgaben wie Todesfälle, Hochzeiten und so weiter ... sie rücken es nur nicht raus.

    LG
    Renate

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